Sanierungskosten je Gewerk
Elektroinstallation im Altbau erneuern: Kosten und Ablauf
Die Elektrik ist das Gewerk, das am seltensten auffällt und am teuersten wird, wenn man es vergisst. Wer den Zustand vor dem Kauf kennt, kalkuliert richtig und verhandelt besser.
Komplette Neuinstallation je Quadratmeter Wohnfläche, Material inklusive
Je Steckdosenplatz mit Schlitz, Leitung, Dose und Anschluss
Bauzeit für ein Einfamilienhaus mit rund 140 Quadratmetern
Auslösestrom des FI-Schalters, gefordert nach DIN VDE 0100-410
Was die Elektroinstallation im Altbau kostet
Elektriker rechnen nach Anschlussstellen, nicht nach Metern. Ein Steckdosenplatz umfasst Schlitz, Leitung, Dose, Anschluss und Verputzen der Schlitze. Aus der Zahl der gewünschten Steckdosen, Schalter und Lichtauslässe entsteht die Kalkulation. Ein modern ausgestattetes Wohnzimmer hat heute 10 bis 14 Anschlussstellen, ein Altbau aus den 60er Jahren oft nur drei.
| Umfang | Kosten 2026 | Was enthalten ist |
|---|---|---|
| Zählerschrank tauschen | 1.800 bis 3.800 Euro | Verteiler, Anmeldung beim Netzbetreiber, Zählerplatz nach Norm |
| FI-Schutzschalter nachrüsten | 150 bis 400 Euro je Gruppe | RCD 30 mA, Umverdrahtung im Verteiler |
| Teilsanierung Bad und Küche | 2.500 bis 5.500 Euro | neue Zuleitungen, Herdanschluss, Feuchtraumdosen |
| Teilsanierung gesamt | 3.500 bis 9.000 Euro | Verteiler, FI, Bad, Küche, Altleitungen bleiben teils liegen |
| Komplettsanierung 100 m² | 9.000 bis 16.000 Euro | alle Leitungen neu, rund 90 Anschlussstellen |
| Komplettsanierung 140 m² | 12.600 bis 22.400 Euro | alle Leitungen neu, Verteiler, Netzwerkdosen |
| Aufpreis Smart Home | 3.000 bis 12.000 Euro | Bus-System, Aktoren, Programmierung |
| E-Check als Zustandsprüfung | 150 bis 400 Euro | Messprotokoll, Grundlage für die Preisverhandlung |
Die Spanne entsteht durch die Wände: Massive Ziegel und Beton kosten mehr Zeit beim Schlitzen als Gipskarton. Auch die Region wirkt, die Stundensätze reichen von 65 bis 110 Euro. Einordnen lässt sich das Ergebnis mit den Richtwerten für Sanierungskosten pro Quadratmeter.
Warnzeichen: Woran du eine alte Anlage erkennst
Die wichtigsten Hinweise findest du am Zählerschrank und in einer beliebigen Steckdose. Nimm bei der Besichtigung eine Taschenlampe mit und schau genau hin.
- Stoffummantelte Leitungen oder brüchige Gummiaderleitung. Typisch bis in die 1960er Jahre, die Isolierung zerfällt mit dem Alter.
- Klassische Nullung mit nur zwei Adern und einer Brücke in der Steckdose. Seit 1973 für neue Anlagen unzulässig.
- Schraubsicherungen mit Keramikeinsätzen statt Sicherungsautomaten. Ein Hinweis auf einen Verteiler aus der Zeit vor 1980.
- Kein FI-Schutzschalter im Verteiler. Der breite Schalter mit Prüftaste fehlt, damit fehlt der wirksamste Schutz gegen Stromunfälle.
- Zu wenige Stromkreise: Vier oder fünf Sicherungen für ein ganzes Haus sind ein sicheres Zeichen für eine Anlage aus den 60er oder 70er Jahren.
- Schuko-Steckdosen ohne Schutzleiter oder alte zweipolige Dosen ohne Erdung.
Altanlagen haben Bestandsschutz, solange sie sicher betrieben werden und niemand sie wesentlich ändert. Das heißt: Du musst nicht sofort erneuern. Sobald du aber erweiterst, etwa eine Wallbox oder eine Wärmepumpe anschließt, gilt der heutige Stand der Technik für den betroffenen Teil. Weitere Warnzeichen listet die Übersicht zu den 12 Warnzeichen bei der Besichtigung.
Ablauf und Dauer: von der Planung bis zur Abnahme
Der Ablauf ist bei fast jeder Sanierung gleich. Wer die Reihenfolge kennt, kann die eigenen Termine daran ausrichten.
- Planung, 1 bis 2 Tage: Raum für Raum festlegen, wo Steckdosen, Schalter, Netzwerk und Leuchten sitzen. Diese Liste bestimmt den Preis.
- Schlitzen und Stemmen, 3 bis 6 Tage: lautester Abschnitt, hohe Staubbelastung, Mauerwerksschlitze nur nach den zulässigen Tiefen der DIN EN 1996.
- Leitungen ziehen und Dosen setzen, 4 bis 8 Tage: parallel werden Leerrohre für Netzwerk und spätere Erweiterungen verlegt.
- Zählerschrank tauschen, 1 bis 2 Tage: Netzbetreiber setzt den Zähler, dafür ist eine Anmeldung mit Vorlauf von zwei bis vier Wochen nötig.
- Verputzen und Trocknen, 3 bis 7 Tage: danach folgen Maler und Bodenleger.
- Montage, Messung, Abnahme, 2 bis 3 Tage: Der Betrieb misst Isolationswiderstand und Schleifenimpedanz und übergibt ein Prüfprotokoll nach DIN VDE 0100-600.
Was gesetzlich und normativ vorgeschrieben ist
Zwei Regelwerke bestimmen den Rahmen. Die DIN VDE 0100-410 fordert für Steckdosenstromkreise bis 32 Ampere im Wohnbereich einen Fehlerstromschutzschalter mit 30 Milliampere Auslösestrom. Seit der Ausgabe von 2018 gilt das ebenso für Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen. Diese Anforderung greift bei jeder neuen oder wesentlich geänderten Anlage.
Für den Zählerplatz gilt die Anwendungsregel VDE-AR-N 4100. Sie löste die alten technischen Anschlussbedingungen ab und schreibt unter anderem einen oberen und unteren Anschlussraum sowie Platz für Zusatzanwendungen wie Wallbox oder Photovoltaik vor. Netzbetreiber verlangen den neuen Zählerplatz, sobald du den Verteiler tauschst oder die Leistung erhöhst.
Arbeiten am Hausanschluss und die Inbetriebnahme darf nur ein Betrieb ausführen, der im Installateurverzeichnis des Netzbetreibers eingetragen ist. Das regelt § 13 der Niederspannungsanschlussverordnung, nachzulesen bei gesetze-im-internet.de. Diese Zusammenstellung ersetzt keine Rechtsberatung, verbindlich sind die Vorgaben deines Netzbetreibers.
Wann sich der Tausch mit anderen Gewerken bündelt
Elektroarbeiten sind die günstigste Baustelle, wenn die Wände ohnehin offen sind. Es gibt vier Momente, in denen sich der Tausch fast von selbst rechnet.
Erstens beim Neuverputzen: Die Schlitze verschwinden im neuen Putz, du sparst die separaten Ausbesserungen von 15 bis 30 Euro je laufendem Meter. Zweitens beim Estrich: Leitungen lassen sich im Bodenaufbau führen, was Wandschlitze überflüssig macht. Drittens bei der Badsanierung, weil Fliesen und Leitungen gemeinsam erneuert werden. Und viertens bei einer Kernsanierung, bei der Elektrik, Sanitär und Heizung in einem Zug laufen. Die passenden Größenordnungen liefert der Ratgeber zu den Kosten einer Kernsanierung.
Umgekehrt ist die Reihenfolge entscheidend. Elektrik kommt immer vor Putz, Estrich und Fliesen, aber nach Abbruch und Rohbauarbeiten. Wer erst den Boden legt und dann die Steckdosen plant, zahlt doppelt. Diesen Takt beschreibt der Beitrag zur Reihenfolge bei der Sanierung.
Eigenleistung: Was du selbst machen darfst
Die Grenze verläuft klar zwischen Vorarbeit und Anschluss. Alles, was spannungsfrei und mechanisch ist, darfst du übernehmen. Der elektrische Anschluss und die Inbetriebnahme gehören dem Fachbetrieb.
Selbst machen kannst du das Stemmen der Schlitze, das Einziehen von Leerrohren, das Setzen der Dosen, das Verlegen der Leitungen bis zum Verteiler und das Verputzen. Das spart 15 bis 25 Prozent der Gesamtkosten, bei einem Haus mit 140 Quadratmetern also etwa 2.000 bis 5.000 Euro. Rechne mit 60 bis 100 Arbeitsstunden.
Nicht erlaubt sind das Auflegen der Adern im Verteiler, Arbeiten am Zählerschrank und die Inbetriebnahme. Kläre vorher mit dem Betrieb, ob er deine Vorleistung überhaupt annimmt. Viele lehnen fremd verlegte Leitungen ab, weil sie danach die Gewährleistung für die gesamte Anlage tragen. Schriftliche Absprache vor Beginn spart dir den Streit. Welche Fallen bei Eigenleistung sonst noch lauern, zeigt der Überblick zu den versteckten Kosten der Altbausanierung.
Muss ich die Elektrik nach dem Hauskauf sofort erneuern?
Nein. Bestehende Anlagen haben Bestandsschutz, solange sie sicher sind. Fehlt jedoch der FI-Schutzschalter oder zerfällt die Isolierung, solltest du zügig handeln. Bei Erweiterungen gilt ohnehin der aktuelle Stand.
Wie viele Steckdosen braucht ein Raum?
Die Richtlinie RAL-RG 678 nennt für ein Wohnzimmer mit 20 Quadratmetern in der Standardausstattung rund zehn Anschlussstellen. In Küche und Arbeitszimmer liegt der Bedarf höher, im Schlafzimmer niedriger.
Kann man Elektroleitungen ohne Schlitzen erneuern?
Teilweise ja. Vorhandene Leerrohre lassen sich neu bestücken, Kabelkanäle und Sockelleisten sind eine sichtbare Alternative. Fehlen Leerrohre, führt bei Unterputzinstallation kein Weg am Stemmen vorbei.
Was kostet ein neuer Zählerschrank?
Rechne mit 1.800 bis 3.800 Euro inklusive Anmeldung beim Netzbetreiber. Der Preis steigt, wenn der Zählerplatz versetzt wird oder zusätzlich Platz für Wallbox und Photovoltaik vorzusehen ist.
Gibt es Förderung für die neue Elektroinstallation?
Als eigenständige Maßnahme in der Regel nicht. Im Rahmen einer förderfähigen Sanierung oder beim altersgerechten Umbau können Teile bezuschusst werden. Prüfe die aktuellen Programme von KfW und BAFA.
Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Preise als Spannen, Stand 2026 · Angaben ohne Gewähr, keine Rechtsberatung.
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