Kaufpreis und Nebenkosten: Finanzierung

Zinsbindung 10 oder 20 Jahre: Was sich für dich rechnet

Zehn Jahre sind billiger, zwanzig Jahre sind ruhiger. Was am Ende weniger kostet, hängt an drei Zahlen: dem Aufschlag für die längere Bindung, deiner Restschuld am Ende der Frist und dem Zinsniveau in zehn Jahren. Wer neben dem Kauf noch saniert, hat eine vierte Größe im Spiel.

Die kurze Antwort: Liegt der Aufschlag für die längere Bindung unter etwa 0,4 Prozentpunkten und steht deine Restschuld nach zehn Jahren noch über der Hälfte der Darlehenssumme, ist die 20-jährige Bindung meist die günstigere Wahl. Du gibst dabei nichts auf: Nach § 489 Absatz 1 Nummer 2 BGB darfst du jedes Darlehen zehn Jahre nach Vollauszahlung mit sechs Monaten Frist kündigen, ohne Vorfälligkeitsentschädigung. Du kaufst also eine Absicherung, die du bei fallenden Zinsen zurückgeben kannst.
10 Jahre

Kündigungsrecht nach § 489 BGB, gerechnet ab vollständiger Auszahlung

6 Monate

Kündigungsfrist, danach fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an

0,2 bis 0,6

Prozentpunkte üblicher Aufschlag von zehn auf zwanzig Jahre Bindung

bis 60 Monate

Vorlauf, den Banken bei einem Forward-Darlehen üblicherweise anbieten

Was kostet dich die längere Zinsbindung wirklich?

Banken lassen sich jede zusätzliche Sicherheit bezahlen. Für zwanzig statt zehn Jahre Bindung verlangen sie einen Aufschlag auf den Sollzins. Üblich sind 0,2 bis 0,6 Prozentpunkte, je nach Bank, Beleihungsauslauf und Verlauf der Zinskurve. In seltenen Marktphasen ist die lange Bindung sogar billiger.

Der Prozentpunkt allein sagt dir wenig. Rechne ihn in Euro um. Bei 350.000 Euro Darlehen und einem Aufschlag von 0,4 Prozentpunkten zahlst du im ersten Jahr 1.400 Euro mehr an Zinsen. Weil die Restschuld sinkt, wird der Betrag jedes Jahr kleiner. Über die ersten zehn Jahre summiert sich der Aufschlag auf grob 12.000 Euro.

Lass dir beide Angebote nebeneinander ausweisen: Sollzins, Effektivzins, Monatsrate und Restschuld. Erst dieser Vergleich macht den Aufschlag sichtbar. Die Grundlagen stehen im Beitrag zur Finanzierung von Kauf und Sanierung.

Was ist das Sonderkündigungsrecht nach zehn Jahren wert?

§ 489 Absatz 1 Nummer 2 BGB gibt dir bei jedem Darlehen mit festem Sollzins ein Kündigungsrecht. Es entsteht zehn Jahre nach dem vollständigen Empfang des Geldes. Die Kündigungsfrist beträgt sechs Monate. Eine Vorfälligkeitsentschädigung darf die Bank dann nicht verlangen.

Wichtig ist der Startpunkt. Die Frist läuft ab Vollauszahlung, nicht ab der Unterschrift. Wird dein Darlehen in Bauabschnitten ausgezahlt, beginnt die Zehn-Jahres-Frist mit der letzten Rate. Bei einer Sanierung über zwei Jahre verschiebt sich der Termin also entsprechend nach hinten.

Der entscheidende Punkt: Nach § 489 Absatz 4 BGB darf dieses Kündigungsrecht nicht ausgeschlossen oder erschwert werden. Eine 20-jährige Bindung wirkt deshalb nur in eine Richtung. Fallen die Zinsen, steigst du nach zehn Jahren aus. Steigen sie, bleibst du zum alten Satz. Diese Übersicht ersetzt keine Rechtsberatung.

Wie viel Restschuld bleibt am Ende der Bindung?

Die Restschuld ist der Hebel, an dem alles hängt. Wer nach zehn Jahren noch drei Viertel des Darlehens schuldet, trägt ein echtes Risiko. Wer nur noch ein Drittel offen hat, verkraftet auch einen deutlich höheren Anschlusszins.

Der Tilgungssatz entscheidet darüber stärker als der Zins. Ein Prozentpunkt mehr Tilgung kostet dich beim Beispieldarlehen 292 Euro mehr im Monat und senkt die Restschuld nach zehn Jahren um rund 41.000 Euro.

Anfängliche TilgungRate pro MonatRestschuld nach 10 JahrenRestschuld nach 20 Jahren
2,0 Prozentrund 1.633 Eurorund 267.000 Euro (76 %)rund 150.000 Euro (43 %)
3,0 Prozentrund 1.925 Eurorund 226.000 Euro (65 %)rund 50.000 Euro (14 %)
4,0 Prozentrund 2.217 Eurorund 185.000 Euro (53 %)getilgt nach rund 18 Jahren

Rechenbeispiel mit 350.000 Euro Darlehen und 3,6 Prozent Sollzins, jährliche Verrechnung, gerundet. Dein Angebot weicht ab. Die Größenordnung bleibt aber stabil: Erst ab etwa drei Prozent Tilgung sinkt die Restschuld so weit, dass eine kurze Bindung wirklich entspannt wird.

Was passiert, wenn die Zinsen in zehn Jahren höher stehen?

Beziffere das Risiko, statt es zu fürchten. Jeder Prozentpunkt mehr auf 265.000 Euro Restschuld kostet 2.650 Euro Zinsen im Jahr, also rund 220 Euro im Monat. Zwei Prozentpunkte mehr sind 440 Euro im Monat.

Stell das dem Aufschlag gegenüber. Die 12.000 Euro aus dem ersten Abschnitt entsprechen rund viereinhalb Jahren eines um einen Prozentpunkt teureren Anschlusszinses. Erwartest du, dass die Zinsen in zehn Jahren höher stehen als heute, rechnet sich die lange Bindung schnell. Erwartest du das nicht, zahlst du für nichts.

Niemand kennt das Zinsniveau von 2036. Deshalb ist die ehrliche Frage nicht, was wahrscheinlich ist, sondern was du tragen kannst. Rechne die Rate bei fünf und bei sieben Prozent Anschlusszins durch. Passt sie ins Haushaltsbudget, darfst du die kurze Bindung wählen. Passt sie nicht, ist die Frage entschieden.

Es gibt Zwischenwege. Ein Forward-Darlehen sichert dir schon bis zu 60 Monate vor Ablauf einen Zins, gegen einen Aufschlag je Wartemonat. Ein Bausparvertrag als Tilgungsersatz wirkt ähnlich. Beide lohnen sich nur, wenn du die Kosten gegen den erwarteten Anstieg rechnest.

Warum ein Sanierungsbudget die Wahl verschiebt

Beim Kauf eines Bestandshauses steht die Sanierungssumme selten fest. Genau das verändert die Rechnung. Wer nachfinanzieren muss, bekommt den zweiten Kredit zum dann gültigen Zins, egal wie lang die erste Bindung läuft. Eine sehr lange Bindung schützt also nur den Teil, den du heute schon kennst.

Drei Punkte solltest du vor der Bindungsdauer klären. Erstens die Sondertilgung: Fünf Prozent der Darlehenssumme pro Jahr sind meist kostenfrei möglich. Zweitens der Tilgungssatzwechsel, üblich sind zwei bis drei Wechsel während der Laufzeit. Drittens die bereitstellungszinsfreie Zeit, denn bei Sanierungen wird in Raten abgerufen.

Erst wenn diese drei Punkte im Angebot stehen, lohnt der Blick auf die Bindungsdauer. Ein Vertrag mit 20 Jahren Bindung und ohne Sondertilgung ist bei einer Sanierung meist die schlechtere Wahl. Wie du dein Budget belastbar machst, zeigen die Beiträge zu Sanierungskosten schätzen und zu Kaufpreis plus Sanierung.

Denk an Förderkredite. KfW-Darlehen haben eigene Laufzeiten, die selten zum Bankdarlehen passen. Laufen beide zu verschiedenen Terminen aus, verhandelst du zweimal. Welche Programme passen, zeigt der Ratgeber zur KfW- und BAFA-Förderung.

Welche Bindung passt zu deiner Lage?

Die Entscheidung folgt drei Größen: Eigenkapital, Tilgungssatz und Lebensplanung. Wer viel Eigenkapital mitbringt und schnell tilgt, braucht die lange Bindung kaum. Wer knapp finanziert und langsam tilgt, sollte sie nehmen.

Deine LageEigenkapitalTilgungPassende Bindung
Knapp kalkuliert, Rate am Limitunter 15 Prozent plus Nebenkosten2 Prozent20 Jahre oder länger
Solide Basis, planbares Einkommenrund 20 Prozent3 Prozent15 bis 20 Jahre
Viel Eigenkapital, Sondertilgungen geplantüber 30 Prozent4 Prozent und mehr10 Jahre reichen
Kauf plus große Sanierung, Budget offenbeliebig2 bis 3 Prozent10 Jahre mit voller Flexibilität
Verkauf oder Umzug in acht bis zwölf Jahrenbeliebigbeliebig10 Jahre

Eine Zwischenlösung wird oft übersehen: 15 Jahre Bindung. Der Aufschlag liegt deutlich unter dem der 20-Jahres-Variante, und das Kündigungsrecht nach zehn Jahren bleibt dir trotzdem. Für viele Käufer ist das der beste Kompromiss aus Preis und Ruhe.

Rechne mit echten Angeboten, nicht mit Schätzwerten. Hol drei Vorschläge für zehn, fünfzehn und zwanzig Jahre ein. Weitere Kostenposten listet der Beitrag zu versteckten Kosten der Altbausanierung.

Kann die Bank das Sonderkündigungsrecht ausschließen?

Nein. Nach § 489 Absatz 4 BGB darf das Kündigungsrecht weder ausgeschlossen noch erschwert werden. Eine Klausel im Vertrag, die das versucht, ist unwirksam.

Ab wann laufen die zehn Jahre genau?

Ab dem vollständigen Empfang des Darlehens. Wird in Bauabschnitten ausgezahlt, zählt die letzte Rate. Bei einer Sanierung über zwei Jahre verschiebt sich der Kündigungstermin also um zwei Jahre.

Was kostet die Kündigung nach zehn Jahren?

Nichts. Bei einer Kündigung nach § 489 BGB fällt keine Vorfälligkeitsentschädigung an. Nur eine frühere Ablösung während der Bindung wäre entschädigungspflichtig.

Lohnt sich ein Forward-Darlehen?

Nur wenn du steigende Zinsen erwartest. Die Bank verlangt für jeden Wartemonat einen Aufschlag. Rechne diesen Aufschlag gegen den Anstieg, den du befürchtest, und entscheide nach dem Ergebnis.

Was ist bei Kauf plus Sanierung wichtiger als die Bindungsdauer?

Flexibilität. Kostenfreie Sondertilgung, Tilgungssatzwechsel und eine lange bereitstellungszinsfreie Zeit sparen bei unklarem Budget mehr Geld als ein paar Jahre zusätzliche Zinsbindung.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Zinsen und Beträge als Rechenbeispiele, Stand 2026 · Angaben ohne Gewähr, keine Rechts- oder Finanzberatung.

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