Verkehrswert

Bodenrichtwert kostenlos abfragen: So findest du den Wert deines Grundstücks

Der Bodenrichtwert ist die einzige amtliche Zahl, die du vor einem Kauf ohne Termin und ohne Kosten bekommst. Richtig gelesen zeigt sie dir, wie viel du für den Boden zahlst und wie viel für das Gebäude.

Die kurze Antwort: Den Bodenrichtwert fragst du kostenlos im BORIS-Portal deines Bundeslandes ab, bundesweit gebündelt unter bodenrichtwerte-boris.de. Du gibst die Adresse ein und bekommst den Wert in Euro je Quadratmeter für die Bodenrichtwertzone, dazu Stichtag, Entwicklungszustand und Nutzungsart. Ermittelt wird er von den Gutachterausschüssen aus echten Kaufpreisen, die Rechtsgrundlage steht in § 196 BauGB. Der Wert gilt für ein gedachtes Richtwertgrundstück, dein Grundstück musst du daraus umrechnen.
0 Euro

kostet die Online-Abfrage in fast allen Bundesländern

§ 196 BauGB

verpflichtet die Gutachterausschüsse zur Ermittlung

1. Januar

üblicher Stichtag, auf den sich jeder Wert bezieht

Euro je m²

Einheit: immer bezogen auf die Grundstücksfläche

Bodenrichtwert kostenlos abfragen: der schnellste Weg

Jedes Bundesland betreibt ein eigenes Informationssystem, meist unter dem Kürzel BORIS. Die Portale sind Kartenanwendungen. Du gibst Straße und Hausnummer ein, die Karte springt auf die passende Zone, und im Infofenster steht der Wert.

Der bundesweite Einstieg ist die gemeinsame Plattform der Gutachterausschüsse. Sie leitet dich zum richtigen Landesportal weiter, wenn ein Land seine Daten nicht direkt einspeist. Für eine erste Einschätzung reicht das immer aus.

QuelleAbdeckungKostenWofür geeignet
Bundesweites BORIS-Portalalle Länder, teils mit Weiterleitungkostenlosschneller Erstblick, Vergleich zwischen Orten
Landesportal des Bundeslandesein Land, vollständigmeist kostenlosDetailangaben wie Nutzungsart und GFZ
Geoportal der Stadt oder des KreisesKommunemeist kostenlosZusatzdaten wie Bebauungsplan
Gutachterausschuss schriftlichein GrundstückGebühr möglichamtliche Auskunft für Behörden und Gericht

Die kostenlose Onlineabfrage genügt für Kaufinteressenten. Eine kostenpflichtige amtliche Auskunft brauchst du nur, wenn das Papier gegenüber Finanzamt, Bank oder Gericht Bestand haben muss. Den Gesetzestext findest du bei gesetze-im-internet.de, das gemeinsame Portal unter bodenrichtwerte-boris.de.

Wie du einen Bodenrichtwert richtig liest

Der reine Eurobetrag sagt allein wenig. Entscheidend sind die vier Angaben daneben.

Die Zone. Ein Richtwert gilt nie für ein einzelnes Grundstück, sondern für ein Gebiet mit ähnlichen Lagemerkmalen. Innerhalb der Zone kann es trotzdem bessere und schlechtere Lagen geben.

Der Stichtag. Jeder Wert bezieht sich auf einen festen Tag, meist den 1. Januar. Neu ermittelt wird mindestens alle zwei Jahre, viele Länder machen es jährlich. Bei einem bewegten Markt ist ein Wert vom letzten Stichtag schnell überholt.

Der Entwicklungszustand. Er steht als Kürzel dabei. B bedeutet baureifes Land, R Rohbauland, E Bauerwartungsland und LF land- oder forstwirtschaftliche Fläche. Zwischen Bauerwartungsland und baureifem Land liegen oft Faktoren, nicht Prozente.

Das Richtwertgrundstück. Der Wert bezieht sich auf ein gedachtes Grundstück mit typischer Größe, Nutzungsart und Geschossflächenzahl. Diese Angaben stehen im Infofenster und sind die Basis jeder Umrechnung.

Achte auf den Erschließungszustand: Steht dort erschließungsbeitragsfrei, sind Straße, Kanal und Leitungen bezahlt. Bei beitragspflichtigen Grundstücken kann die Gemeinde später vierstellige Beträge nachfordern. Frag im Zweifel direkt bei der Kommune nach.

Vom Richtwert zum Wert deines Grundstücks

Der Richtwert ist ein Ausgangspunkt, kein Ergebnis. Weicht dein Grundstück vom Richtwertgrundstück ab, rechnest du um. Die Gutachterausschüsse veröffentlichen dafür Umrechnungskoeffizienten in ihren Grundstücksmarktberichten, ebenfalls kostenlos.

MerkmalWirkung auf den Werttypische Größenordnung
Grundstück deutlich größer als das RichtwertgrundstückAbschlag je Quadratmeter5 bis 20 Prozent
Höhere zulässige GeschossflächenzahlZuschlagje nach Ausnutzung
Ungünstiger Zuschnitt, Hanglage, NordhangAbschlag5 bis 20 Prozent
Ecklage, zwei Zufahrten, freier BlickZuschlag5 bis 15 Prozent
Baulast, Wegerecht, LeitungsrechtAbschlagabhängig vom Umfang
Altlastenverdacht, DenkmalbereichAbschlagim Einzelfall erheblich

Ein Beispiel. Das Grundstück misst 620 Quadratmeter, der Richtwert liegt bei 260 Euro je Quadratmeter. Rechnerisch sind das 161.200 Euro. Wegen ausgeprägter Hanglage setzt du zehn Prozent Abschlag an und landest bei rund 145.000 Euro.

Rechte in Abteilung II des Grundbuchs verändern das Ergebnis zusätzlich. Ein eingetragenes Wohnrecht oder ein Wegerecht kann den Wert spürbar drücken. Was dort steht und wie du es prüfst, zeigt der Ratgeber zum Grundbuch lesen beim Hauskauf.

Warum Bodenrichtwert und Kaufpreis auseinanderliegen

Diese Lücke ist normal und kein Zeichen für einen überteuerten Preis. Drei Gründe erklären sie fast immer.

Erstens bewertet der Richtwert nur den Boden. Das Gebäude, die Garage und die Außenanlagen kommen obendrauf. Zweitens ist er ein Durchschnitt über eine ganze Zone, dein Grundstück kann darüber oder darunter liegen. Drittens hinkt er dem Markt hinterher, weil er auf Kaufverträgen der Vergangenheit beruht.

In gefragten Lagen liegen tatsächliche Preise deshalb regelmäßig über dem Richtwert. In schrumpfenden Regionen liegen sie darunter, weil kaum jemand kauft. Beides ist erklärbar, sobald du die Bestandteile trennst.

So nutzt du den Bodenrichtwert im Preisgespräch

Der stärkste Einsatz ist die Aufteilung. Rechne den Bodenwert aus und zieh ihn vom geforderten Kaufpreis ab. Was übrig bleibt, ist der Preis für das Gebäude.

Genau diese Zahl macht Diskussionen sachlich. Bei einem unsanierten Haus aus den sechziger Jahren zeigt sich oft, dass für das Gebäude noch ein hoher Betrag verlangt wird, obwohl Dach, Fenster, Heizung und Elektrik komplett fällig sind. Die Warnzeichen dafür listet der Beitrag zum sanierungsbedürftigen Haus.

Stell dem Bodenwert dann deine geschätzten Sanierungskosten gegenüber. Übersteigt die Summe aus Kaufpreis und Sanierung den erzielbaren Wert, ist die Rechnung offen erkennbar. Wie du die Gesamtsumme aufbaust, zeigt der Ratgeber Kaufpreis plus Sanierung. In Extremfällen führt der Vergleich zur Frage sanieren oder abreißen.

So argumentierst du sauber: Nenne Quelle, Zone und Stichtag. Ein Verkäufer kann einen amtlichen Wert schlecht wegdiskutieren. Behaupte aber nie, der Richtwert sei der Verkehrswert. Der vollständige Weg zum Verkehrswert steht im Ratgeber Verkehrswert einer Immobilie ermitteln.

Für eine belastbare Zahl vor dem Notartermin führt trotzdem kein Weg an einer Vor-Ort-Prüfung vorbei. Der Bodenrichtwert kostet nichts und liefert die Basis, ein Sachverständiger bewertet die Bausubstanz. Die Preise dafür nennt der Beitrag zu den Gutachterkosten beim Hauskauf.

Ist der Bodenrichtwert wirklich kostenlos?

Die Onlineabfrage in den Landesportalen ist in fast allen Bundesländern gebührenfrei. Nur schriftliche amtliche Auskünfte des Gutachterausschusses können eine Gebühr auslösen, die du selten brauchst.

Wie oft wird der Bodenrichtwert aktualisiert?

Mindestens alle zwei Jahre, viele Länder ermitteln jährlich zum 1. Januar. Der Stichtag steht immer beim Wert. Prüfe ihn, bevor du mit der Zahl argumentierst.

Gilt der Wert genau für mein Grundstück?

Nein. Er gilt für ein gedachtes Richtwertgrundstück in der Zone. Größe, Zuschnitt, Geschossflächenzahl und Lasten musst du über Zu- und Abschläge selbst berücksichtigen.

Kann ich damit den Hauswert berechnen?

Nur den Bodenanteil. Für das Gebäude brauchst du ein Wertermittlungsverfahren, meist das Sachwert- oder Vergleichswertverfahren. Der Bodenwert ist dort ein Baustein von mehreren.

Warum liegt der Kaufpreis über dem Bodenrichtwert?

Weil der Richtwert nur den Boden abbildet, einen Zonendurchschnitt darstellt und dem Markt zeitlich hinterherläuft. In gefragten Lagen ist eine Abweichung nach oben der Normalfall.

Zuletzt aktualisiert: August 2026 · Angaben ohne Gewähr · Werte und Umrechnungskoeffizienten beim zuständigen Gutachterausschuss prüfen.

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